Orgeln von Orgelbauern der Familien Hesse sind besonders zahlreich zu finden im mittelthüringischen Raum.

Johann Michael Hesse (1734-1810) ist der erste uns bekannte Orgelbauer mit dem Namen Hesse, aus dem Generationen von Orgelbauern hervorgingen. Er erlernte bei seinem Großvater Johann Heinrich Schulze in Nottleben von 1747-1751 das Handwerk des Orgelbaus und ging von 1752-1755 zusätzlich noch beim Mechanikus Fischer nach Erfurt in die Lehre. 1754 baute er mit seinem Großvater in Dachwig eine Orgel. Dort lernte er eine junge Frau kennen, heiratete sie und ließ sich in Dachwig als selbständiger Orgelbauer nieder. Seine Orgeln zeichnen sich durch eine sehr gründliche und handwerklich sichere Verarbeitung und etliche kreative Innovationen aus.

Von seinen Kindern wurden Ernst Ludwig Hesse (1768-1823) und Georg Andreas Hesse (1784 - ?) ebenfalls Orgelbauer. Den Familienbetrieb führte jedoch Ernst Ludwig allein fort.

Mit dessen beiden Söhnen, Ernst Siegfried (1794-?) und Johann Michael (1806-1858), erreichte der Orgelbau durch eine hohe Qualität und Vielfalt ihren Höhepunkt. Gemeinsam errichteten sie u.a. die ehemalige Erfurter Domorgel (1828-1829), die 56 Register auf 3 Manualen und Pedal besaß. Sie wurde jedoch bereits 1906 wieder abgebrochen.
Beide Brüder führten ab 1829 bis 1833 gemeinsam die Werkstatt. Danach trennten sie sich und arbeiteten allein selbständig weiter.
Aus Ernst Siegfrieds Werkstatt legten
zwei Orgeln die weiteste Reise zurück, und zwar nach Lettland. Eine von ihnen wurde in der Rigaer Hauptkirche errichtet. 1854 wanderte er nach Amerika aus. Dort verlieren sich seine Spuren.
Die Orgel in Emstedt wurde 1833 noch von beiden Brüdern gebaut.

Ludwig Julius Hesse (1830-1900), ein Sohn von Johann Michael Hesse, übernahm 1858 die Werkstatt seines Vaters. Sein Umbau der Wender-Orgel in der Arnstädter Bachkirche schlug fehl. Daraufhin verzog er 1862 nach St. Petersburg. Mit ihm endete der sehr erfolgreiche und auch über die Grenzen Thüringens hinaus sehr geschätzte Orgelbau der Familie Hesse.